DIESE WEBSITE IST EIN ONLINE-ARCHIV DER DÄNISCHEN RATSPRÄSIDENTSCHAFT 2012 UND WIRD NICHT MEHR AKTUALISIERT WERDEN.

Politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit in der EU

Die Finanz- und Wirtschaftsminister im ECOFIN-Rat bestimmen und koordinieren die Wirtschaftspolitik der EU. Der Rat tagt etwa einmal im Monat, u.a. um Haushaltskrisen einiger Länder zu lösen und die wirtschaftliche Stabilität der EU zu sichern.

Während der dänischen EU-Ratspräsidentschaft werden einige größere Vorgänge im Bereich der Wirtschaftspolitik die Arbeit des Rates dominieren. Lesen Sie unten mehr über diese Vorgänge und die Wirtschaftspolitik der EU.

Das europäische Semester

Die EU hat ab 2011 als Bestandteil der verstärkten wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit ein europäisches Semester eingeführt, das als Rahmen für Prozesse der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in der EU dienen soll. Ziel ist es, die Diskussion über die Wirtschaftspolitik in den EU-Ländern zu stärken, bevor es zu einer Einigung und Umsetzung auf nationaler Ebene kommt.

Das europäische Semester beginnt mit Diskussionen auf Grundlage des 'Jahreswachstumsberichts' der Kommission. Zu Beginn des Frühjahres hält der Europäische Rat seine jährliche Wirtschaftstagung ab und wird den EU-Ländern allgemeine Politikempfehlungen darlegen. Bis Ende April reichen die EU-Länder ihre Stabilitäts- und Konvergenzprogramme und nationalen Reformprogramme ein, welche die auf der Tagung des Europäischen Rates dargelegten Vorgaben berücksichtigen müssen.

Im nächsten Schritt bereitet die Kommission eine umfangreiche Überprüfung der Stabilitäts- und Konvergenzprogramme und nationalen Reformprogramme im April-Juni vor. Die Kommission verabschiedet einen gemeinsamen Entwurf einer Stellungnahme des Rates und länderspezifischer Empfehlungen.

Der ECOFIN-Rat erörtert und verabschiedet anschließend die Stellungnahmen und Empfehlungen für die EU-Länder, die dann durch die Staats- und Regierungschefs der EU im Europäischen Rat genehmigt werden. Dementsprechend berücksichtigen die EU-Länder die Stellungnahmen und Empfehlungen bei der Festlegung ihrer nationalen Wirtschaftspolitik einschließlich der nationalen Haushalte.

EU-Vorbereitungen auf G-20- und IWF-Tagungen

Der Internationale Währungsfond (IWF) und die G20 sind Schlüsselfiguren für die weltweite wirtschaftliche und finanzielle Zusammenarbeit. Die G20 halten Gipfeltreffen für Staats- und Regierungschefs sowie vorbereitende Treffen für Finanzminister und Zentralbankchefs ab. Der IWF hat bei der Begrenzung der Auswirkungen der Krise eine zentrale Rolle gespielt, unter anderem durch die Zurverfügungstellung umfangreicher finanzieller Mittel für in Not geratene Länder. Der IWF hat Mitglieder in aller Welt und spielt eine wichtige Rolle bei der Überwachung der Weltwirtschaft und der Wirtschafts- und Finanzpolitik seiner Mitglieder.

Die dänische EU-Präsidentschaft vertritt die EU in enger Zusammenarbeit mit der europäischen Kommission bei Treffen der G20 für Finanzminister und Zentralbankchefs. Die Präsidentschaft vertritt die Positionen der EU bei Treffen der G20 und will dafür sorgen, dass die EU Einfluss auf die Entscheidungen der G20 nimmt. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien befinden sich unter den einzeln in der G20 vertretenen Ländern.

Es hat für die dänische Präsidentschaft hohe Priorität, sicherzustellen, dass die EU in der G20 gemeinsam auftritt und ihre wichtige globale Stellung in der Wirtschaft optimal nutzt, um internationale wirtschaftliche und finanzielle Entscheidungen zu beeinflussen. Das setzt eine sorgfältige Vorbereitung und klar definierte Positionen der EU voraus.

Die Umsetzung der Reform der wirtschaftspolitischen Steuerung

Die Finanz- und Wirtschaftskrise und die darauf folgende Schuldenkrise hat einige erhebliche Schwächen und Defizite der wirtschaftlichen Zusammenarbeit innerhalb der EU offengelegt. Die bestehenden Vorschriften für solide Staatsfinanzen wurden von den EU-Mitgliedstaaten nicht in ausreichendem Maße eingehalten und auf EU-Ebene nicht angemessen durchgesetzt. Darüber hinaus hatten viele Mitgliedstaaten auch unhaltbare makroökonomische Ungleichgewichte entwickelt, beispielsweise eine überhitzte Wirtschaft oder Immobilienblasen.

Vor diesem Hintergrund führte die EU im Frühjahr 2010 eine Reform wirtschaftspolitischen Steuerung ein, in deren Rahmen unter anderem die finanzwirtschaftliche Zusammenarbeit (der Stabilitäts- und Wachstumspakt) gestärkt wird. Durch die Reform rücken der Schuldenabbau, die Konsolidierung in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs, strengere Sanktionen gegen Länder, die die Vorschriften nicht einhalten, und eine Stärkung nationaler Haushaltsrahmen stärker in den Mittelpunkt.

Die Reform umfasst außerdem neue Methoden der Zusammenarbeit bei makroökonomischen Ungleichgewichten wie anhaltenden Wettbewerbsproblemen und Leistungsbilanzdefiziten. Im Herbst 2011 einigten sich die EU-Mitgliedstaaten mit dem Europäischen Parlament auf eine Reform, die während der dänischen Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr des Jahres 2012 in Kraft treten wird.

Die konsequente Anwendung der verschärften Regeln zum Schuldenabbau und der Sanktionen bei Nichteinhaltung der Empfehlungen des Stabilitäts- und Wachstumspakets und die von Anfang an effektive Umsetzung der neuen und verstärkten Zusammenarbeit bei makroökonomischen Ungleichgewichten hat für die dänische Präsidentschaft hohe Priorität.

Der Wettbewerbsfähigkeitspakt

Im März 2011 einigten sich die Staats- und Regierungschefs auf einen neuen Wettbewerbsfähigkeitspakt (den 'Euro-Plus-Pakt'). 23 der 27 EU-Mitgliedstaaten sind dem Pakt beigetreten, darunter Dänemark.

Der Pakt beinhaltet, dass die beteiligten Länder sich auf gemeinsame Gesamtziele zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit, zunehmender Beschäftigung und Gewährleistung finanzpolitischer Nachhaltigkeit und finanzieller Stabilität einigen. Jeder Mitgliedstaat wählt spezifische Maßnahmen, um diese Ziele zu erreichen, und die Staats- und Regierungschefs werden jährlich die gewählten Maßnahmen und die Strategie darlegen, mit denen die Herausforderungen auf diesen vier Gebieten angegangen werden sollen. Darüber hinaus lädt der Pakt zu einem Dialog über Steuerpolitik zwischen den beteiligten Ländern ein, unter anderem im Hinblick auf die Bekämpfung von Betrug und Hinterziehung und die Möglichkeit einer gemeinsamen Steuerbemessungsgrundlage.

Die Umsetzung des Paktes wird durch die Überwachung signifikanter Indikatoren für Arbeitslosigkeit, Wettbewerbsfähigkeit, finanzpolitische Nachhaltigkeit etc. unterstützt.

Es wird für die dänische Ratspräsidentschaft Priorität haben, sicherzustellen, dass die Umsetzung des Paktes einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, die spezifischen wirtschaftspolitischen Herausforderungen der einzelnen teilnehmenden Länder in den Mittelpunkt zu rücken.

Wirtschaftspolitische Koordinierung im ECOFIN-Rat

Die Finanz- und Wirtschaftsminister im ECOFIN-Rat koordinieren und legen die Strategie der EU in Bezug auf wirtschaftliche und politische Angelegenheiten fest.

Die Verantwortung des ECOFIN-Rats besteht demnach darin, gemeinsame haushaltspolitische Regeln umzusetzen und über die Volkswirtschaften und wirtschaftlichen Ungleichgewichte in den Mitgliedstaaten zu wachen. Darüber hinaus befasst sich der ECOFIN-Rat mit der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU), einschließlich des Euro, Finanzregulierung und Finanzaufsicht, Zusammenarbeit in Steuerfragen innerhalb der EU, Ansichten der EU in Bezug auf die globale Zusammenarbeit im Rahmen der G20, des EU-Haushalts, der Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen und der Wirtschafsbeziehungen zu Drittländern.

Die Eurogruppe, ein informelles Organ, das aus Mitgliedstaaten besteht, deren Währung der Euro ist, tagt jeweils am Tag vor dem ECOFIN-Rat und erörtert Fragen rund um den Euro. Befasst sich der ECOFIN-Rat mit Angelegenheiten in Bezug auf den Euro, so können nur Mitgliedstaaten, die den Euro eingeführt haben, an Abstimmungen teilnehmen.

Reaktion der EU auf die Finanzkrise

Die Mitgliedstaaten haben eine Reihe von Initiativen beschlossen, um der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie der Krise der öffentlichen Haushalte in einigen EU-Ländern zu begegnen und diese einzudämmen.

Dazu gehört beispielsweise eine Reform der wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit sowie des Euro-Plus-Paktes, die von teilnehmenden Ländern (sowohl von Ländern des Euro-Währungsgebiets als auch von einer Reihe nicht teilnehmender Ländern, einschließlich Dänemark) fordert, Verpflichtungen einzugehen, mit denen sie zu gemeinsamen vereinbarten Politikzielen in Bezug auf Beschäftigung, Wettbewerbsfähigkeit, gesunde öffentliche Haushalte und finanzielle Stabilität beitragen.

Zudem haben die EU-Mitgliedstaaten einen dauerhaften Krisenmechanismus für die Länder des Euro-Währungsgebietes eingerichtet (Europäischer Stabilisierungsmechanismus, ESM, tritt ab 2013 in Kraft) und Finanzhilfeprogramme für Länder des Euro-Währungsgebiets ins Leben gerufen, die eine solche Hilfe benötigen. Darüber hinaus wird in verschiedenen Richtungen an der Stärkung der Finanzregulierung und Finanzaufsicht gearbeitet.

So muss die wirtschaftspolitische Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten gemeinsame Ziele hinsichtlich Preisstabilität, Wirtschaftswachstum und eines hohen Beschäftigungsniveaus unterstützen. Die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten im Bereich der Wirtschaftspolitik ist wichtig, da sich aufgrund der engen Verknüpfung der Volkswirtschaften in der EU die wirtschaftliche Entwicklung und wirtschaftspolitischen Maßnahmen eines Mitgliedstaates auf die anderen Länder auswirken können.

Rahmen für wirtschaftliche Zusammenarbeit in der EU
Die Zusammenarbeit im Bereich wirtschaftlicher und politischer Fragen beruht auf mehreren Formen von Zusammenarbeitsverfahren. Ein grundlegendes Prinzip in der Koordinierung der nationalen Wirtschaftspolitik besteht darin, dass die Mitgliedstaaten selbst für ihre Wirtschaftspolitik verantwortlich sind.

Infolge der Krise haben die Mitgliedstaaten die Koordinierung der Wirtschaftspolitik verstärkt. Dennoch legen die Länder großen Wert auf nationale Souveränität in wirtschaftlichen Angelegenheiten, während sie gemeinsamen Regeln folgen.

Der ECOFIN-Rat strebt Konsens in verschiedenen Fragen an. Beschlüsse werden in der Regel mit qualifizierter Mehrheit oder einstimmig gefasst, wobei das Europäische Parlament konsultiert wird oder mitentscheidet.

Der ECOFIN-Rat erstellt und verabschiedet außerdem jedes Jahr zusammen mit dem Europäischen Parlament den Haushaltsplan der EU mit einem Volumen von etwa 125 Milliarden Euro.